Gefangen im Trocki.

Durchgeschwitzt, röchelnd und leicht panisch stand ich in meinem Wohnzimmer.  Mein Hals steckte in der hautengen Latexmanschette meines Trockentauchanzugs, mein knallrotes Gesicht schaute oben raus. Der Rest meines Körpers schmorte im Anzug vor sich hin. Lediglich meine Arme waren frei, der Rückenzip war offen. Alleine zu Hause, gefangen in meinem Trocki.

Tief durchatmen, nachdenken und konzentrieren. Vielleicht ginge es einfacher ihn auszuziehen, wenn ich die Arme in den Ärmeln hätte. Dann wäre nach oben hin mehr Raum, den Anzug ein Stück hochzuziehen, um rauszukommen. Ich friemelte also einen Arm hinein. Ganz schlechte Idee. Die Panik wurde größer. Ich bekam den Arm wieder raus und mit einem beherzten Ruck zog ich mir die Manschette über den Kopf. Einige Haare mussten auch dran glauben. So könnte sich die Geburt anfühlen, ausser man ist ein Kaiserschnitt-Kind.

Die Beziehung zwischen meinem Trocki und mir ist ein Wechselbad der Gefühle. Am Anfang war es die große Liebe, später kamen diverse Probleme dazu. Einige Male wollte ich mich schon trennen, schaffte es aber nicht. Eine leidenschaftliche Beziehung, voller Auf und Abs.

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Erworben habe ich ihn gebraucht, zu einem guten Preis. Ich kenne die Vorbesitzerin und wusste, er war in guten Händen. Nach einem Probetauchgang war klar, ich werde ihm eine neue Heimat bieten.

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Der erste Tauchgang im Neufelder See war eine Katastrophe, ich war unterwegs wie der schlechteste Anfänger. Rauf, runter, rauf, runter. Schnell waren wir alle in eine riesige Schlammwolke gehüllt. Beim zweiten Mal ging es schon ganz gut, dicht war die Neoprenmanschette auch.

Einige Monate später sollte es in Kroatien zum ersten Mal ins Meer gehen. Leider war bis dort aus dem Trocki ein Halbtrocki geworden. Ich hatte 8 Kilo abgenommen, die Manschette war viel zu weit. Ich brachte die halbe Adria mit an Board, es fehlten nur die Fische, die aus dem Anzug gespült wurden. Die Neoprenmanschette wurde durch eine aus Manschette aus Latex ersetzten. Ich glaube, der Geburtskanal ist ein Kinderspiel gegen eine Neoprenmanschette. Bis man mal den Kopf durch das gefühlte 10 cm weite Loch hat, ist man komplett durchgeschwitzt, das Atmen fällt schwer.

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Man reisst sich beim An- und Ausziehen sämtliche Haare aus. Mit Hilfe einer Damenstrumpfhose über dem Kopf flutscht man besser durch die Manschette und schützt die Haarpracht. Sieht aber wirklich merkwürdig aus. Was Frauen nicht so alles machen…

Vor 2 Tagen habe ich mich wieder in den Neufelder See getraut. Meine Aktion, die Manschette mit einem Blumentopf zu weiten, hat funktioniert.

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Ich bin gut rein und auch rausgekommen. Dicht war er der Anzug auch.

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Daher bekenne ich mich jetzt öffentlich dazu: ich bin ein Trockentaucher. Ich dusche ja auch warm. Ab jetzt wird unter 25 Grad Wassertemperatur nur noch der Trocki rausgeholt. Die anfänglichen Strapazen waren es wert. Wenn alle bibbernd am See stehen, sehe ich z in meiner Skiunterwäsche zwar extrem dämlich aus, aber ich bin trocken und warm ist mir auch.

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