Interview mit Petros Michelidakis, Director der boot Düsseldorf

Die Messe boot in Düsseldorf ist für uns Taucher wohl einer der wichtigsten Termine im Jahr. Aussteller und Besucher kommen aus allen Ecken der Welt in die Stadt. Es gibt wahrscheinlich im Januar keinen Ort, an dem man mehr Taucher auf einem Fleck hat, als auf der Messe. Natürlich gibt es außer Tauchen auch viele andere Ausstellungsbereiche, aber Tauchen ist doch für mich der interessanteste.

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Petros Michelidakis

Nach der guten Zusammenarbeit mit der Messe Düsseldorf in diesem Jahr bin ich neugierig geworden, was hinter den Kulissen so passiert. Es bot (Achtung WORTSPIEL) sich eine gute Gelegenheit für ein Interview, da seit 2016 das Messe-Schiff einen neuen Steuermann hat. Petros Michelidakis ist der neue Projektleiter der boot Düsseldorf. Ich habe versucht, aus ihm herauszubekommen, vor welchen Herausforderungen er steht, was er sich an Änderungen vorgenommen hat – oder ob doch alles beim Alten bleibt. Zumindest was die viel diskutierte Internetverbindung in den Hallen angeht, kann ich euch vorab sagen: Das Problem wurde erkannt und es wird an der Behebung gearbeitet.

 

Herr Michelidakis, die boot ist die weltgrößte Messe für Wassersport. Nun sind Sie am Steuer. Wie geht man an so eine große Aufgabe heran?

Es ist eine sehr große Herausforderung. Nicht wegen der Arbeitsmenge sondern vielmehr auf Grund der Schärfung des Verantwortungsgefühls. Wenn man sieht, wie viele Aussteller mit wenig Mitteln so viel auf die Beine stellen und wie viele Besucher jedes Jahr kommen, dann möchte man für diese Leute einfach alles geben.

Natürlich geht man auch professionell an die Aufgabe heran. Man analysiert die Zahlen, den Markt, man spricht mit vielen Ausstellern und Besuchern und versucht das richtige Gefühl für die Entwicklung einer Ausstellung zu bekommen. Daraus zieht man seine Schlüsse und geht mit dem Team an die Aufgabe heran.

Wie gehen Sie auf jeden der unterschiedlichen Ausstellungsbereiche ein?

Grundsätzlich möchten wir jeden einzelnen Besucher mitnehmen und zufriedenstellen. Jede Gruppe ist wichtig für uns, egal wie klein sie ist.

Ich bin aber kein Experte im Bereich Tauchen, es ist (noch) nicht mein Hobby. Das fundierte Fachwissen holen wir uns daher von Experten, mit denen wir uns austauschen. Aber Fachwissen ist für uns nicht so wichtig wie das Wissen zu dem Thema Messe. Wir sind Messemacher, wir beschäftigen uns daher damit, wie man eine gute Messe macht.

Wie viele Leute arbeiten im Messeteam der boot mit?

Es ist ein eingespieltes, großartiges Team, die genaue Zahl kann ich Ihnen aber gar nicht sagen, denn wir haben nicht nur unser Kern-Projektteam, sondern arbeiten mit nahezu jeder Abteilung der Messe zusammen. Das reicht von den Hallenmeistern, Schreinern, Malern bis hin zur Geschäftsführung, damit wir jedes Jahr im Januar dieses Riesenprojekt boot Düsseldorf erfolgreich auf die Beine zu stellen.

Tauchen ist ja nur ein kleiner Teil der Messe, für uns ist es aber der Wichtigste. Welchen Stellenwert messen Sie diesem Bereich bei?

Tauchen ist für uns ein absoluter Kernkompetenzbereich der boot und war in diesem Jahr unglaublich erfolgreich. Wir werden den Tauchturm und das Thema auch im kommenden Jahr wieder verstärkt in unsere Marketingmaßnahmen einbinden, denn uns hat die Aufmerksamkeit der Medien in diesem Jahr gezeigt, dass das Interesse für das Tauchen wieder sehr groß ist. Dabei gibt es natürlich tolle Synergieeffekte zwischen den Mitmachaktionen im Tauchturm und den exotischen und reizvollen Reisedestinationen in der Halle 3.

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Wie wird das Rahmenprogramm zusammengestellt? Woher kommen die Ideen?

Wir arbeiten mit Agenturen zusammen, die die absoluten Spezialisten im Bereich Tauchen sind. Mit ihnen entwickeln wir gemeinsam das Bühnenprogramm, denn sie sitzen quasi an der Informationsquelle und wissen immer, was zurzeit die Topthemen im Tauchen sind. Natürlich sitzen auch die Aussteller aus dem Bereich der Tauchausrüstungen und dem –Zubehör mit im Boot, denn wir brauchen ihre Meinung, um unsere Ziele zu erreichen.

Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung der Tauchbranche ein? Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen? Wo die Chancen?

Der Bereich Apnoe ist ein Trend und auch bei uns großes Thema. Wir überlegen, ob wir diesen Bereich ausbauen. Leider wissen wir momentan noch nicht so genau wohin damit, da wir in Halle 3 aus allen Nähten platzen.

Auch bei den Destinationen sehen wir Verschiebungen. Leider ist Ägypten momentan in einer Krise. Wir haben daher mit den Ausstellern gesprochen und uns überlegt, was wir machen können. Welche anderen Ziele können wir präsentieren? Denn uns geht es darum, wie wir das Angebot für den Besucher vergrößern können. Wir arbeiten an der Präsentation neuer Destinationen und ich glaube, dies wird sehr interessant, exklusiv und imposant.

Welche Kritik bekommen Sie am häufigsten von Ausstellern und Gästen zu hören? Wie gehen Sie damit um?

Wir hatten in diesem Jahr  genau drei Beschwerden, wegen Kleinigkeiten. Eine wegen schlechter Luft, eine mit der Bitte um mehr Erfrischungsstände in den Hallen und eine wegen eines Diebstahls. Wir nehmen jedoch jede Beschwerde von Besuchern und Ausstellern ernst und arbeiten an Lösungen.

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Was macht die Messe so erfolgreich?

Ich habe mich im Januar an den Ausgang gestellt und die Menschen beobachtet. Die Besucher kamen begeistert heraus. Die Messe sorgt offensichtlich für Freude und Spaß. Es ist eine einfach tolle Branche, die zusammenhält. Auch in den schlechten Zeiten haben wir es geschafft, etwas auf die Beine zu stellen. Die boot war  immer der Anker der gesamten Branche. Das muss erhalten bleiben.

Wenn man als Taucher durch die Tauchhalle geht, wird man – im positiven Sinne – mit allem konfrontiert, was Tauchen ausmacht. Man hat verschiedene Länder, die ausstellen und die man besuchen kann. Man kann Ausrüstung anfassen, ausprobieren und sich entscheiden, ob man sie kauft oder nicht.

Alles auf der boot Düsseldorf ist easy, man kommt vom Flughafen schnell hin, man kommt schnell in die Messe rein, es funktioniert einfach alles.

Die Besucher können ihren Urlaub planen, sich zum Beispiel Charteryachten vor Ort ansehen und schon erste Kontakte knüpfen. In jeder Halle trifft sich eine eingeschworene Community. Man kennt sich, man freut sich auf den Urlaub. Die boot ist quasi der erste Urlaub des Jahres im Januar.

Es gibt also eine Vielfalt an Gründen, warum wir so erfolgreich sind.

Was haben Sie sich für die nächsten Jahre in punkto boot vorgenommen?

Es gibt immer etwas zu justieren, gerade wenn man neu ein Projekt übernimmt. Ich habe mit dem Team zusammengesessen und wir werden mit der boot grundsätzlich die aktuelle Richtung weiter verfolgen. Einige Dinge haben wir uns aber vorgenommen. So wird der Austausch im B2B Bereich erleichtert werden. Wir legen den Fokus verstärkt auf die Internationalisierung der boot, die stetig voranschreitet. 45.000 Besucher kommen aus dem Ausland, darauf reagieren wir unter anderem mit einigen Bühnenslots auf Englisch.

Wir arbeiten auch daran, die schlechte Internetverbindung in den Hallen zu verbessern. Bei einem Event dieser Größe mit so vielen Besuchern kommt es leider zu Schwankungen in der Qualität der Verbindung.

Es gibt dazu auch weitere Entwicklungen und neue Themen, die wir leider erst im Oktober den Fans der boot mitteilen können. Die Taucher können sich, wie bereits erwähnt, auf eine absolut neue, exklusive Destination freuen.

Zur Person:

Der gebürtige Grieche Petros Michelidakis verbrachte seine früheste Kindheit und Jugend in Deutschland. Nach seiner Ausbildung zog es ihn nach Griechenland, wo er zunächst als Verkaufsleiter für eine deutsche Spedition tätig war. Über die Centrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft, CMA, deren Geschäftsführung für die Außenstelle Athen mit den Märkten in Griechenland, dem Mittleren Osten, Zypern und der Türkei Michelidakis 1991 übernahm, lernte er das internationale Messewesen kennen. 2007 führte ihn sein Weg nach Italien, dort betreute er in der CMA-Außenstelle in Mailand die Länder Italien und Malta. Von 2011 bis 2015 war Michelidakis als Auslandsvertreter für die Belange der Messe Düsseldorf in Griechenland und Zypern zuständig. Petros Michelidakis ist selber begeisterter Wassersportler, Segeln ist sein Hobby.

 

 

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