Jakarta, Indonesien. Gegen die Angst.

Nach einer wunderschönen Tauchsafari durch Raja Ampat ging es für eine Nacht nach Jakarta, Freunde besuchen und die Stadt erkunden. Noch an Bord des Safaribootes erreichte mich die Nachricht über den Bombenanschlag in einer Mall im Zentrum der Stadt. Dazu kamen einige Nachfragen von lieben Menschen, die sich Sorgen um mich machten.  Ich war erschüttert und traurig, dass schon wieder etwas passiert ist. Angst hatte ich keine und dachte nicht im Traum daran, mich in Jakarta in meinem Hotel zu verstecken. Von fundamentalistischen Terroristen lasse ich mich nicht einschüchtern. Genau diese Vibes bekam ich auch aus Jakarta, von wo sich meine Freunde bei mir meldeten. Dieser Abschaum würde uns nicht die gemeinsame Zeit vermiesen, hiess es.

Mein Freund Adi holte mich am nächsten Tag am Flughafen ab, auf dem Weg in das Hotel kamen wir am Ort des Anschlages vorbei.  Es hat mich dann doch berührt, so direkt mit dem Terror konfrontiert zu sein. Hier waren am Vortag Menschen ums Leben gekommen, das lässt niemanden kalt. Die Mitarbeiter in meinem Hotel waren äusserst genau mit der Durchleuchtung meines Gepäcks. In vielen Ländern gibt es Kontrollen in den Hotels, doch oft wird man einfach nur durchgewunken. Hier in Jakarta liess man mein Gepäck erst in das Hotel, nachdem ich den Inhalt meines Tauchkoffers erklärt hatte. Den Nachmittag verbrachte ich ganz entspannt am Pool.

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Am nächsten Morgen holte mich Adi mit seinem alten Jeep namens „Goldie“ im Hotel ab. Ich wundere mich bis heute, dass sie uns zwei abgerissene Gestalten in der Karre überhaupt  vor das Hotel haben fahren lassen.

RajaAmpat2016-476Mit dem Auto fuhren wir zunächst in die historische Altstadt Jakartas. Vorbei an den modernen Hochhäusern, durch das chinesische Viertel und durch ein Rotlichtviertel. Offensichtlich reiht sich hier eine Massage-Bar an die nächste, noch toleriert von der Regierung.  Aber es gibt Pläne, dagegen vorzugehen. Auf der Straße war das Chaos für Asien überraschend geordnet. Überhaupt, ie Stadt machte einen aufgeräumten, modernen und sauberen Eindruck auf mich. Eher Kuala Lumpur als ein asiatisches Ghetto. Wie viele asiatische Metropolen hat auch Jakarta eine bewegte Geschichte hinter sich.

RajaAmpat2016-500 RajaAmpat2016-529Gegen Ende des 16. Jahrhunderts machten sich die Holländer langsam in Jakarta breit. Zunächst legten sie mit ihren Handelsschiffen an, dann legten sie die Siedlung Jayakarta, wie Jakarta damals hieß,  in Schutt und Asche.  Aus Jayakarta wurde Batavia. Die Holländer bauten auf den Ruinen die Stadt nach ihrem kolonialem Geschmack  auf. Der 2. Weltkrieg läutete das Ende des niederländischen Kolonialzeit ein. Nachdem die Niederlande Japan den Krieg erklärte, marschierten die Japaner in Indonesien ein.  Im Jahre 1942 kapitulierten die dort stationierten niederländischen Truppen und Japan besetzte Indonesien. Wurden sie zunächst als Befreier gefeiert, litt die Bevölkerung bald unter dem Terror und der Willkür der Japaner. Kaum kapitulierte Japan im August 1945, erklärte Indonesien sich für unabhängig. Die Spuren der holländischen Kolonialzeit sind bis heute in der Architektur der Stadt sichtbar.

Das „Stadhuis“ im Herzen Jakartas war der Sitz der Kolonialregierung. Hier, um den Taman Fatahilah Platz herum, finden sich die am besten erhaltenen Kolonialbauten.

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Der stinkende Kanal am Rande der Altstadt erinnert mit ein wenig Phantasie an die Grachten in Amsterdam. Würde hier aufgeräumt und restauriert werden, könnte es ein wunderbares Plätzchen in Jakarta sein.

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Erst in den letzten Jahren haben sich  private Initiativen dafür eingesetzt,  diesen Teil der Stadt zu revitalisieren und zu erhalten. Das wunderbare Café Batavia am Taman Fatahilah Platz zeigt, wie wunderschön solche renovierten Gebäude sein können.

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Es zeigt auch, dass die Gesellschaft nicht unbedingt prüde  ist. Im Gegenteil, Jakarta macht eine recht liberalen Eindruck auf mich.

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Wir schlenderten zu Fuß vom Cafe Batavia aus Richtung Norden, zum alten Hafen.

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Die Gegend um den ältesten Hafen der Stadt heisst Sunda Kepala und ist von kleinen Kanälen durchzogen, die direkt zum Meer führen.  Die Fischer und Fährmänner ankern hier ihre Boote. Ein Teil der Menschen lebt in einer Siedlung, die auf Stegen gebaut ist. Es ist ein faszinierendes Gewusel von verwinkelten Straßen und Gässchen. Mensch und Tier teilen sich den engen Wohnraum, Vogelgrippe, ick hör dir trapsen. Dennoch ein für mich absolut faszinierender Spaziergang, ein Ausflug in ein paralleles Universum.

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Nachdem wir das ganze Stück wieder zurück liefen, fuhren wir  zurück  in das moderne Jakarta. Wie in vielen asiatischen  Metropolen ist der Unterschied zwischen arm und reich gewaltig.

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Ich habe im Vorfeld meiner Reise  eigentlich nur Negatives über Jakarta gehört. Die Stadt sei ein Moloch, es gäbe nichts zu sehen. Eine asiatische anonyme Metropole ohne Seele und Sehenswürdigkeiten. Ich sehe das ein wenig anders, zumindest für eine Tag gibt es mehr als genug zu sehen und zu entdecken, ich hatte eine wirklich gute Zeit. Allerdings hatte ich auch Freunde vor Ort, die  mir viel gezeigt haben. Das macht eine Aufenthalt immer lustig und spannend,  egal wo man ist. Dennoch hat mir auch Jakarta selber einfach gefallen.

Die Stadt und ihre Einwohner sind extrem vielfältig. Die Menschen sind malaiischer, chinesischer, arabischer, holländischer und indischer Abstammung. Die Gesichter, in die man blickt, erzählen von Indonesiens bewegter Geschichte. Es ist eine friedliche Gesellschaft. Auch wenn Indonesien das größte muslimische Land  der Welt ist. Es ist es ein  liberaler und toleranter Islam, der hier von vielen gelebt und gelehrt wird. Jede Gruppe von Frauen und Mädchen ist bunt gemischt – mit Kopftuch und ohne. Mit Jeans und Minirock. In langen Kleidern und in kurzen Shorts. Gegenüber der größten Moschee befinden sich auch die Kathedrale von Jakarta.

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Nicht allen im Land passt der relativ freizügige Lebensstil und die Toleranz in der Hauptstadt. In manchen Provinzen wurde für Frauen das Kopftuch bereits zur Pflicht gemacht, solche Bestrebungen gibt es für das gesamte Land. Ein Großteil der Bevölkerung Jakartas und auch anderer Regionen wehrt sich gegen die Herrschaft der Fundamentalisten.

Ihren Humor haben die Menschen nicht verloren. So scherzte Adi, der Verkehr sei in Jakarta nur so ruhig, weil es gerade ein Attentat gegeben habe. Das sei immer so, man reiße sich dann für 2 Tage zusammen. Ähnlich wie die New Yorker trotzen die Einwohner von Jakarta dem Terror. Man lässt sich nicht einschüchtern. Die Cafés waren voll, die Malls ebenfalls. Überall auf den Straßen waren Menschen unterwegs. Auch wir haben uns keine Angst einjagen lassen. Wir alle dürfen uns von diesen elenden Terroristen nicht einschüchtern lassen. Wir müssen ohne Angst weiterleben, uns gegen die Angst stemmen. Das muss unser Motto sein. So wie die Menschen in Jakarta, die dem Terror trotzen.

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