Kurz nachdem man abtaucht, schließt sich die Oberfläche über uns Taucher*Innen.. Das war’s mit dem Rest, zumindest für die nächsten 45-60 Minuten.

Kein Handy. Kein Lärm. Nur das gleichmäßige Geräusch der eigenen Atmung und das, was gerade vor einem schwimmt. Das Gehirn hat keine andere Wahl, als dabei zu sein. Unter Wasser kann man schlecht woanders sein. Wer es versucht, taucht schlecht und verpasst den Oktopus, der sich dort drüben gerade in eine Felsspalte drückt. Manchmal sieht man auch einfach gar nichts, und das ist dann so und auch voll in Ordnung. Der See kann auch spannend sein, wenn man genau hinschaut.

Rotes Meer Ryal Evolution Copyright: Sven Kahlbrock

Ich finde das nach wie vor bemerkenswert. Nicht weil es besonders mystisch wäre, sondern weil es schlicht so ist. Man taucht ab und der Kopf schaltet um. Einfach so. Keine App, keine Technik, kein Aufwand. Nur Wasser.

Was sieht man da unten?

Was man sieht, variiert stark. Manchmal ist es spektakulär: ein Riff in der Mittagssonne, ein Rochen, der lautlos über den Sand zieht, ein Schwarm Fische, der sich um einen herumbewegt wie ein einziger Körper. Manchmal ist es unspektakulär und trotzdem gut. Ein österreichischer See mit Forellen und dem Licht, das von oben durchs Wasser fällt. Eine alte Mole, über die sich Algen gelegt haben. Ein Hecht, der einen kurz anschaut und dann das Weite sucht. Man lernt mit der Zeit, beides zu schätzen. Die großen Momente kommen seltener als man denkt, und die kleinen sind meistens unterschätzt.

Unter der Oberfläche Tauchen

Copyright: Sven Kahlbrock

Das Schöne am Tauchen ist auch, dass es keine Abkürzungen gibt. Man kann sich nicht reinschummeln. Die Ausbildung dauert, man muss Theorie lernen, Handzeichen, Notfallprozeduren, wie man Equipment kontrolliert, bevor man ins Wasser geht. Es fühlt sich am Anfang nach viel an. Ist es auch. Aber genau das hat einen Effekt: Wenn man schließlich wirklich taucht, weiß man, was man tut. Das Vertrauen ins eigene Können kommt nicht vom Hörensagen, sondern aus echten Tauchgängen. Aus Situationen, die ungemütlich waren und gut ausgegangen sind. Aus Tiefen, die anfangs einschüchternd waren und irgendwann normal wurden. Beim Ausflug unter der Oberfläche muss man immer im M0ment sein.

Tauchen als Hobby?

Tauchen ist kein günstiges Hobby und auch kein leichtes. Die Ausrüstung kostet, der Tauchurlaub kostet, und man muss sich daran gewöhnen, in einem Element unterwegs zu sein, in das man nicht gehört. Wir Menschen sind dort unten nur Gäste. Das klingt nach einer Floskel, aber es ist eigentlich eine recht präzise Beschreibung der Situation. Die Unterwasserwelt funktioniert nach eigenen Regeln, und man passt sich an, nicht umgekehrt. Man bewegt sich langsamer. Man atmet bewusster. Man greift nichts an, und  lässt Dinge so, wie man sie gefunden hat.

Unter der Oberfläche das Rote Meer

Copyright: Sven Kahlbrock

Wer das einmal verinnerlicht hat, schaut auch an Land anders hin. Nicht im großen weltanschaulichen Sinn. Sondern einfach: man schaut genauer auf Kleinigkeiten, hört öfter auf die eigene Atmung und ist öfter einfach mal still und geniesst die Ruhe in der Natur.

About the Author: Bettina Winert

Mutter von 3 Kindern, im Exil in Wien lebend. Autorin, Taucherin und begeisterte Gärtnerin.

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