Auf Tauchsafari in Zeiten von COVID19: die Malediven

Zurück auf die Maldiven

Nach nunmehr fast 10 Jahren Abwesenheit, beschließe ich im Rahmen meines Überlegungsprozesses „Wo fahre ich hin während Corona“ zu meinen taucharischen Wurzeln zurückzukehren. Dorthin, wo für mich unter Wasser alles begann. Auf die Malediven.

Beim Anflug auf Male blicke ich auf die Inselchen im unendlichen Blau des Indischen Ozeans, umringt von türkis schimmernden Lagunen, manche wiederum eingefasst von einem schmalen, weißen Wellenkranz.

Ein vertrauter und doch irgendwie fremder Anblick. Viele der Inseln sind mittlerweile grauenhaft dicht bebaut – die Anzahl der Wasserbungalows, die sich wie Fangarme eines Ungetüms ins Meer ziehen, ist erschreckend.

Endlich wieder tauchen

Nach der Ankunft auf dem Boot, der  MV Eco Blue, schüttet es als gäbe es kein Morgen, schwerer grauer Regen prasselt auf das Boot und hämmert gegen Scheiben und Türen. Der nächste Tag bringt Besserung, danach fast täglich strahlender Sonnenschein.

Bereits am Ankunftstag absolvieren wir den Checktauchgang, bei dem wir graue Riffhaie, Weißspitzenriffhaie, Riesenmuränen, einen Adlerrochen, Schwärme von Gelbrücken-Füsilieren sichten. Natürlich sehen wir auch die altbekannten Bubble-Junkies, die Doktorfische, die sich über unseren Köpfen tummeln und ihren kleinen Whirlpool genießen.



Nach einem Tag im Südmale Atoll geht es in Richtung Vaavu Atoll für einen außergewöhnlichen Nachttauchgang. Alimata Circus. Unmittelbar nach dem Abtauchen werden wir in der Dämmerung von dunklen, schlanken Silhouetten im Dutzend umringt. Ammenhaie, wie viele kann ich nicht sagen, unglaublich viele.



Laut Auskunft des Guides wurden selten so viele Tiere gesehen, wir sind an dem Tag ,wie auch fast während der gesamten Tour, das einzige Boot am Platz. Dazwischen sausen Stachelrochen umher und erkunden die Taucher. Viele der Ammenhaie haben sich am Boden niedergelassen und lassen sich aus 10 Zentimeter Entfernung ablichten. Ein Rochen streicht lässig über meinen Oberschenkel und taxiert mich mit einem koboldhaften Blick (der immer irgendwie etwas Schelmisches an sich hat, wie ich finde). Völlig planlos inmitten dieses Getümmels drücke ich im Sekundentakt auf den Auslöser meiner Kamera (der ganze erst kürzlich absolvierte Fotokurs wieder für nichts, aber ich gelobe Besserung).

 

Die Malediven – immer noch ein Paradies?

Im Laufe der Woche tauchen wir durch viele Kanäle, obwohl die Strömung moderat ist, muss ich mich am Anfang erst wieder ein bisschen an „Go with the Flow“ gewöhnen. Während wir uns etwa durch Miyaru Kandu treiben lassen ziehen graue Riffhaie, Weißspitzenriffhaie und ein großer Makrelenschwarm an uns vorbei. Und bei Maalhos Thila stellt man fest: Es gibt sie noch, die wundervollen Weichkorallengärten der Malediven: Lila-bläulich wuchern sie über die Felsen, dazwischen schwimmen Falterfische, Kugelfische, Doktorfische und Kaiserfische, gelegentlich leuchtet ein Plattwurm aus einem bunten Korallenbusch. Bei Kuda Rah Thila umfließen große Schulen von Blaustreifenschnappern und Buckelschnappern die Taucher, die dahinter stehenden Fächergorgonien sind kaum zu sehen – wie eine schrille Fantasie aus meinem Kopf voll von bunten Farben und Fabelwesen.

Beim Tauchplatz Fishhead im Ari Atoll ziehen rötlich-blaue Neon Füsiliere einen bunten Bogen über grasende Schildkröten, Riesenmuränen strecken einem die Köpfe durch Wolken von orangen Fahnenbarschen entgegen.

Wir besuchen auch die Mantaputzstation bei Moofushi Corner, an der sich neben Mantas, wie fast überall auch Adlerrochen und Riffhaie tummeln, und freuen uns bei einem Nachttauchgang über die sanften Riesen, die, vom Licht angelockt, über unsere Köpfe streichen.

Mit den Mantas geht es mir aber immer ein bisschen wie mit den Nemos – alle finden sie so toll, sodass sie mich ein wenig irritieren und nachdem ich es 15 Minuten lang genieße, wenn die weiß-grauen fliegenden Teppiche über mich hinwegstreichen, wird mir irgendwie langweilig und ich beginne den Boden nach Kleinlebewesen abzusuchen. Auch einen Walhai bekommen wir bei einem Tauchgang zu Gesicht, dies ist aber in der Regel eine relativ kurze Begegnung, die Tiere sind ja relativ schnell, obwohl sie überhaupt nicht diesen Eindruck vermitteln.

Der letzte Tauchgang ist Fish Tank im Nordmale Atoll. An einer Fischfabrik hat sich eine Unzahl von Muränen niedergelassen, aus jeder Spalte lugen dutzende Köpfe: Kleine, große, braune, gefleckte, gesprenkelte. Daneben gibt es gepunktete Schlangenaale, aus einem Loch spähen fünf Köpfchen der zierlichen, gepunkteten Gestalten.

 

Darum herum flattern dutzende Rochen in der (an diesem Tag leider etwas stärkeren) Strömung. Die Sonne geht unter, die letzten Strahlen brechen durch das schon etwas dunklere Wasser. Aus einer Spalte fauchen mir gezählte sieben (!) Riesen- und Netzmuränen entgegen, alle von beachtlicher Größe.  Riesenmuränen, Netzmuränen, Russkopfmuränen, Marmorierte Muränen, Gelbkopfmuränen, mir wird ganz schummrig, ich liebe die grimmig dreinblickenden, aber freundlichen Wesen. Was für ein Abschlusstauchgang! Daher ein eindeutiges: Ja! Die Malediven sind immer noch ein Paradies, auch wenn nicht immer alles so geschützt wurde, wie es sein sollte.



Ich hätte euch noch gerne ein paar Fotos von Stränden mit dem unglaublich türkis leuchtenden Wasser mitgebracht, aber dazu ergab sich bei dieser Tour leider keine Gelegenheit.

 

Einreiseformalitäten auf den Malediven (STAND August 2020)

Und zu guter Letzt noch ein paar Worte zum derzeit unvermeidlichen „Corona und Reisen“ Thema: Die Einreise auf die Malediven ist völlig unproblematisch, vor Ankunft und vor dem Heimflug muss man online eine „Health Declaration“ ausfüllen. Das war’s auch schon. Die Flugverbindungen mit Qatar und Emirates sind absolut stabil und verlässlich. Bei Qatar kann man derzeit sogar jederzeit kostenlos umbuchen, was auch tatsächlich problemlos funktioniert wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann.

Emirates verlangt von seinen Passagieren seit kurzem einen negativen PCR Test für jeden Flug, den aber vor dem Heimflug das Liveaboard unbürokratisch organisiert, ob das alle Safarischiffe tun, weiß ich nicht, gehe aber davon aus, dass das die meisten anbieten. Am Schiff gibt es für die Gäste keinerlei Einschränkungen, man könnte fast vergessen, dass es so etwas wie Corona gibt, dennoch hält die Schiffscrew  natürlich alle Vorsichtsmaßnahmen ein).

Man hat dieses  Paradies der Malediven derzeit fast für sich allein und  für mich selbst kann ich nur festhalten: Alte Liebe rostet nicht…

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