Mit einem Atemzug durch die Krise: Apnoetaucherin Hennie Kissling

Henriette Kissling ist eine erfolgreiche Apnoe-Tauchlehrerin aus Wien. Mit ihrem Shop ,,Divestyle Lounge“ und dem „Club Divestyle“ bietet sie Apnoe-Coachings, Kurse, sowie Ausrüstung an.

Als Einzelunternehmerin und aktive Apnoetrainerin, hat die Pandemie sie gleich doppelt erwischt. Da sich aber eine starke Frau und leistungsstarke Sportlerin so schnell nicht unterkriegen lässt, hat sie auch diese Krise erfolgreich gemeistert, sowohl beruflich wie auch ganz persönlich.

Die heimtückische Krankheit

Ende Februar fühlte Hennie kränklich, was in der kalten Jahreszeit nichts außergewöhnliches ist. An COVID 19 dachten damals noch die Wenigsten, da die Krankheit in Europa noch kein Thema war. Leicht erhöhte Temperatur, Müdigkeit. Nichts Besorgniserregendes, so die Gedanken damals von Hennie. Plötzlich ging es ihr im März schlagartig schlechter. Hennie zeigte COVID19 Symptome. Fieber, starker Husten und extreme Müdigkeit. Wer Hennie kennt, weiß welches Energiebündel sie ist, doch zu dieser Zeit schaffte sie es 3 Tage lang kaum aus dem Bett. Ein Anruf bei der österreichischen COVID-Hotline brachte wenig. Denn damals ging man noch davon aus, sich nur angesteckt haben zu können, wenn man in einem Risikogebiet war. Aufgrund der Symptome und ihres gesundheitlichen Zustandes begab sich Hennie in eine selbst auferlegte Quarantäne. Sie versorgte sich selbst mit viel Tee, Wasser, Inhalation und gesundem Essen, welches sie sich liefern ließ, um niemanden anzustecken.

Der Husten hielt sich hartnäckig und ließ selbst nach vier Wochen nicht nach, die Lunge „blubberte“ beim Ein- und Ausatmen. Hennie´s Taucherärztin, Dr. Roswitha Prohaska, machte das einzig Richtige zur Abklärung und überwies sie in ein Diagnosezentrum zum Lungen-CT. Die Bilder des CT, die Symptome als auch der Krankheitsverlauf, deuteten auf eine Infektion mit COVID19 in Kombination mit einer Sekundärinfektion (Bronchitis/Grippe) hin. Eine übliche Grippe alleine hätte Hennie als sportlicher gesunder Mensch mit einer ausserordentlich gut trainierten Lunge locker weggesteckt. In diesem Fall bzw. durch diese Doppelbelastung hatte sie einen schweren Krankheitsverlauf, weswegen sich die Genesung in die Länge gezogen hat.

Aus eigener Kraft zurück ins Wasser

Die großen Herausforderungen standen nun auch in anderen Bereichen bevor. Als selbständige Apnoe-Tauchlehrerin ist Hennie sowohl auf ihr regelmäßiges Einkommen, als auch auf ihre gesunde Lunge angewiesen. Ist sie krank, so kann sie nicht arbeiten und es kommt kein Einkommen rein.  Eine dringend benötigte Lungen-Reha wird erst mit September genehmigt. Was sie bis dahin machen kann? Das, was Hennie immer macht: sich selbst motivieren, positiv denken und Probleme angehen. Ab April geht es los mit moderater Bewegung, Salz-Inhalationen, Spaziergänge an der frischen Luft, aber vor Allem: Übungen mit speziellen Atemtechniken aus dem Apnoe-Tauchsport. Im Sommer kann sie wieder moderat Joggen, Wandern und irgendwann sogar wieder Unterricht geben. Zur Sicherheit mit Hilfe von Assistenten, aber sie ist wieder im Wasser. Das sanfte Apnoetauchen scheint ihr zu helfen, gesund zu werden. Nach der Lungen-Reha im Herbst in Tirol fühlt sie sich nach eigener Aussage besser als zu Beginn des Jahres.



Selbständig in turbulenten Zeiten

Viele Wassersportler träumen davon, sich mit ihrem Hobby selbständig zu machen. Hennie hat es gewagt, und ist seit Jahren erfolgreich. Dennoch ist es ein langer, steiniger Weg, der jedem/r UnternehmerIn viel Disziplin, Planung und Vorschau abverlangt. Unvorhergesehene Ereignisse können viele Unternehmer aus dem Sattel werfen und Existenzen zerstören. Für Hennie lief das Jahr 2020 trotz aller Widrigkeiten ganz hervorragend. Ihre Kurse waren de fakto ausgebucht. Der erste Lockdown im März hat sie nicht so hart getroffen, konnte sie doch die Sommersaison über arbeiten. Der zweite Lock Down im November hat sie getroffen, da sie ihre voll ausgebuchten Kurse im Herbst im Schwimmbad nicht durchführen kann. Dennoch blickt sie voller Optimismus in die Zukunft und weiß, dass es nach dem Lockdown für sie weitergehen wird.

Eine starke Frau macht weiter

Und so hat sie dieses Jahr überstanden. Sie hat quasi tief eingeatmet, ihre Luft und Energie gut eingeteilt. Sich, wie immer, auf das Wesentliche konzentriert. So ist sie durch diese Krise getaucht, quasi mit einem Atemzug. Eigentlich hatte Hennie die besten und gleichzeitig schlechtesten Voraussetzungen für eine COVID 19 Erkrankung. Als gesunde  Sportlerin mit einer vom Apnoetauchen außerordentlich gut trainierten Lunge, Nichtraucherin mit keinerlei Vorerkrankungen, sollte sie dem Virus genug entgegensetzen können. Aber selbst sie hat es erwischt.. und das zeigt, wie gefährlich diese Krankheit sein kann. Gleichzeitig ist sie als Unternehmerin, die auf  körperliche Fitness, auf Schwimmbäder und Gruppentrainings angewiesen ist, in einer denkbar schlechten Position. Wenn Schwimmbäder geschlossen sind und Versammlungen von Menschen auch verboten sind, kann sie nicht arbeiten. Dennoch hat sie dieses Jahr im Unterschied zu anderen UnternehmernInnen gut überstanden. Dass sie nun im November alle Kurse absagen muss, schmerzt. Aber desto mehr wird sie im neuen Jahr wieder voll durchstarten und ihren Schülern die Faszination des Apnoetauchsports näher bringen.

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